Snowboard Specifications

Snowboard Specs

Auf der Suche nach dem individuell am besten geeigneten Snowboard stolpert man schnell mal über etliche  unverständliche Herstellerangaben, die sich oft nur mit fachmännischen Wissen entschlüsseln lassen. Diese Herstellerangaben kann man üblicher Weise in zwei Teilbereiche unterteilen: Einerseits erhält man Information über die im Brett verbauten Materialen und andererseits über die sogenannten “Snowboard Specifications”. Die Snowboard Specifications befassen sich mit Themen wie beispielsweise Sidecut, Lauflänge, effektive Kantenlänge, Sidecut Radius oder Stance Offset.

Hier möchte ich mich dem Thema Snowboard Specifications, kurz auch „board specs“ genannt, widmen. Vielleicht gelingt es mir ein wenig Licht ins Dunkel dieses schwer verständlichen Themas zu bringen. Wenn ihr euch beim nächsten Mal über ein Brett informiert, dann wisst ihr hoffentlich gleich was Sache ist.

 

SIDE CUT & SIDE CUT RADIUS

Der Side Cut verleiht dem Snowboard seine sanduhrartige Form, denn der Side Cut sorgt für die Taillierung des Boards. Der Side Cut wird in Metern angegeben und beschreibt den Radius jenes Kreises, der sich ergeben würde, wenn man mit diesem Radius einen Kreis bis zum Schluss weiterzeichnen würde. Hier gilt: Je kleiner die angegebene Zahl, desto kleiner wird dieser Kreis und umso engere werden die Kurven. Ein kleinerer Side Cut macht das Brett also drehfreudiger und sorgt für ein aggressiveres Kurvenverhalten. Im Umkehrschluss gilt also auch, dass ein größerer Sidecut zu weiteren Turns und einem weniger aggressiven Kurvenverhalten führt. Ausserdem lässt sich ein kleinerer Side Cut auch optisch erkennen, denn je KLEINER der Side Cut, desto MEHR Material wird aus der Mitte des Bretts entfernt und umso stärker wird die Taillierung.

Kickerfahrer und Pipe Maschinen wünschen sich oft Bretter mit einem kleineren Side Cut, denn kleine Side Cuts machen die Bretter reaktionsfreudiger und man bekommt beim Einleiten von Tricks mehr Support von der Kante. Freerider bevorzugen hingegen Bretter mit etwas größeren Side Cuts, da solche Bretter eine größere Oberfläche (aufgrund der geringeren Taillierung) zum Gleiten über den Tiefschnee haben. Jibber bevorzugen übrigens auch Bretter mit einem etwas größeren Side Cut – ihr wisst ja, Kanten und Rails sind nicht gerade die besten Freunde.

In den letzten Jahren haben sich einige neue Side Cut Technologien am Snowboard Markt etabliert. Lib-Tech hat beispielsweise ihre Bretter mit der sogenannten Magne-Traction ausgestattet, bei Burton gibt es die Pressure Distribution Technologie und bei DC haben die Bretter sogar neun verschiedene Side Cut, um je nach Kantendruck das best mögliche Kurvenverhalten zu ermöglichen. Im Grunde liefern all diese neuen Side Cut Technologien einen besseren Kantenhalt bei schwierigen bzw. eisigen Verhältnissen, da diese Side Cuts über zusätzliche Kontaktpunkte mehr Grip oder „Bodenhaftung“ als herkömmliche Side Cuts liefern.

 

CONTACT LENGTH

Die Contact Length gibt an, wie viel der Aufliegefläche des Boards bei normalen Pistenverhältnissen wirklich hat. Man könnte die Contact Length auch als effektive Lauflänge übersetzen. Diese weicht natürlich zur Gesamtlänge des Brett ab – die Schaufeln der Nose und des Tails sind  aufgewölbt und zählen dadurch natürlich nicht zur effektiven Lauflänge.

 

EFFECTIVE EDGE

Die effektive Kantenlänge beschreibt die Länge der Kante, die mit dem Schnee in Berührung kommt, wenn man das Board seitlich auf die Kante kippt.  Bei Camber Boards sind die effektive Kantenlänge und die effektive Lauflänge nahezu identisch. Bei Rocker Boards und Rocker Kombination kann es aufgrund der verschiedenen Shapes oft zu starken Abweichungen kommen, da sowohl effektive Lauflänge und effektive Kantenlänge stark vom Shape des Boards beeinflusst wird. Wichtig ist hier vor allem, dass je höher die effektive Kantenlänge eines Boards ist, desto besser wird der Kantenhalt und umso bessere Kontrolle erhält man beim Carven.

 

NOSE/TAIL LENGTH AND WIDTH

Die Länge der Nose und des Tails beschreibt die Länge der Schaufeln. Wir sprechen hier also um jenen Bereich des Snowboards, der aus dem Schnee herausschauen würde, wenn wir das Brett flach mit dem Belag auf dem Schnee hinlegen würden. Freeride Boards haben langgezogene Schaufeln um so den Auftrieb im Tiefschnee zu erhöhen. Spührbar wird das vor allem in flacheren Tiefschneehängen: Mit langgezogenen Schaufeln gleitet man selbst da noch einigermaßen problemlos über den Tiefschnee.

Freeride Bretter haben ausserdem oft auch ein etwas schmälere Tail. Diese Konstruktion führt dazu, dass im Tiefschnee das Tail weiter im Schnee einsinkt, da die Fläche des Tails geringer ist als die der Nose. Dadurch benötigt man weniger Kraft um die Nose über den Tiefschnee zu halten und auch lange Abfahrten im Powder werden so zum Kinderspiel. Eine Überbelastung des hinteren Beins und die dazugehörigen Krämpfe sind somit Geschichte.

WAIST WIDTH

Die Waist Width gibt an, wie breit das Brett an seiner schmalsten Stelle – dem Wendepunkt des Side Cuts – ist. Je größer der Unterschied in der Breite zwischen Nose/Tail Breite und Mitte ist, desto taillierter wird das Brett und um so drehfreudiger und aggressiver verhält es sich bei Belastung der Kanten. Solltet ihr eher große Füße haben, dann empfehle ich euch vor dem Kauf eines Boards auch mal einen Blick auf die Waist Width zu werfen.

STANCE WIDTH

Die Stance Width gibt an wie breit man auf dem Brett stehen kann. Hierbei gibt es von Hersteller zu Hersteller leider viele unterschiedliche Angaben. Einige Hersteller geben nur den Abstand zur empfohlenen Stance an, andere Hersteller geben sowohl die schmalste als auch die breitest mögliche Stance an. Solltet ihr nicht extrem schmal oder extrem breit stehen, dann werdet ihr aber bei so gut wie jedem Hersteller eure „Lieblingsstance“ fahren können.

 

SET BACK ODER STANCE OFFSET

Set Back oder Stance Offset werden meist in Zentimeter oder Zoll angegeben. Beide Ausdrücke beschreiben und messen die Abweichung zwischen der Mitte der Lochbohrungen und der Mitte des Bretts. Klingt jetzt ziemlich verwirrend, ist es aber gar nicht: Stellt euch am besten einfach zwei Boards vor: ein echtes Twin Tip und ein Freeride Board.  Beim echten Twin Tip entspricht die Mitte der Inserts (zwischen beiden Beinen) exakt der Mitte des Boards. Bei einem Freeride Board sind die Lochbohrungen (Inserts) meist um einige Zentimeter nach hinten versetzt. Wenn man dann die Bindung drauf schraubt, wird man feststellen, dass der fordere Teil des Bretts (Nose) viel länger ist als der hintere (Tail). Freestyle Bretter haben meist kein Set Back (Twin Tip) oder nur sehr wenig, damit es  im Park auch mit switch angefahrene Tricks klappt. Das Set Back bei Freeride Boards entlastet das hintere Bein, da das Gewicht aufgrund der versetzten Lochbohrungen hinter der Brettmitte liegt – so ist die Nose immer schön über dem Tiefschnee.

Solange ihr keinen extrem breiten Stance fährt, braucht ihr euch keine Sorgen über das Set Back oder Stance Offset machen. Die Inserbohrungen ermöglichen nahezu jede Position und so könnt ihr eure Stance nach gewünschten Gelände (Park, Street oder Freeride) individuell anpassen. Hat es mal einen Meter Powder, dann könnt ihr euch beide Bindungen einfach um 2-3 cm nach hinten montieren.

So, das waren jetzt jene Board Specifications die mir am wichtigsten erscheinen. Wie ihr wisst sind technische Themen immer etwas zäh. Als ich in den 90ern mit dem Snowboarden begonnen habe, gab’s noch keine Informationsquellen wie das Internet. Im Laden war ich immer zu schüchtern um den Verkäufern Löcher in den Bauch zu fragen und da hätte ich mir oft eine kurze und leicht verständliche Erklärung gewünscht. Ich hoffe, dass es mir gelungen ist, euch diese Ausdrücke etwas näher zu bringen und euch die nächste Kaufentscheidung zu erleichtern. In diesem Sinne, es war mir wieder eine Ehre und bis bald am Berg!

 

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